Zürichsee-Fähre

Die neue Fähre schwimmt jetzt im Zürichsee

Langsam aber sicher hat die neue Fähre am Donnerstag ihren Arbeitsort, den Zürichsee, erreicht. Während einer Viertelstunde sank der riesige Koloss aus seiner «schwebenden» Position ins Wasser ab. Der Moment der Wahrheit war gekommen.

Das grösste Schiff auf dem Zürichsee schwimmt. Das neue Flagschiff «Meilen» der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG wurde am Donnerstag erfolgreich eingewassert.
Video: Paul Steffen

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Gewiss, die Fähre wurde nah am Wasser zusammengebaut, in der Wollishofer Werfthalle der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Doch hatte sie das Zürichsee-Gewässer, ihr Ziel, ihre künftige Wirkungsstätte bisher noch nie berührt. An diesem Donnerstagvormittag ist es nun endlich so weit: Nach einer Bau- und Montagezeit von einem Jahr und acht Monaten ist der Moment der Wahrheit gekommen. Die Wasserung steht kurz bevor.«Das ist wie bei einem Baby: Es geht jetzt das erste Mal baden», scherzt Reinhard Suppan, Geschäftsführer der Firma Öswag, die die Fähre in Linz an der Donau konstruiert hatte.

Hinter Suppan glänzt der weisse Koloss mit seinem rot-schwarzen Schiffsbauch im gleissenden Sonnenlicht. Aufgebockt in der Schiffsmitte, wirkt das 360 Tonnen schwere Gefährt, als würde es über dem See schweben. Doch nicht mehr lange. Denn kurz vor 11 Uhr startet der «Sinkflug». Per Knopfdruck senkt sich die Plattform, auf der die neue Fähre namens «Meilen» steht, ab. Vor den Augen von rund 50 Mitarbeitenden, Gästen, Verwaltungsräten und Journalisten nähert sich das 60 Meter lange und 13,5 Meter breite, neue Schiff der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG langsam der Wasseroberfläche. Zuerst verschwinden die Holzböcke, dann taucht der rote Rumpf ein. Darunter gluckert das Seewasser.

Der gelassene Ingenieur

Auf dem Steg neben der Fähre steht Bernhard Utz, Schiffbau-Ingenieur und «Vater» der neuen Fähre. Ist der Mann, der die Statik der «Meilen» berechnet hat, nervös? «Nein, nein, es wird funktionieren», antwortet er gelassen. Bei symmetrischen Schiffen wie dieser Fähre sei es weniger schwierig, eine waagrechte Lage hinzukriegen als bei normalen Schiffen. Auch mit solchen hat Utz viel Erfahrung. So stammen zum Beispiel die drei ZSG-Motorschiffe «Albis», «Pfannenstiel» und «Uetliberg», die ihre Runden im unteren Seebecken drehen, aus seiner Feder.

Nach rund einer Viertelstunde ist die Wasserung zu Ende, die Fähre schwimmt, ist jetzt voll in ihrem Element. Und Ingenieur Bernhard Utz sagt: «Ich bin zufrieden.» Alles hat geklappt.

In der Horizontalen wird sich der Stahlkoloss an diesem Tag nirgends hinbewegen. Denn dafür ist die Fähre noch nicht bereit. Auf dem Deck wird noch fleissig gearbeitet, der Geruch von frischer Farbe liegt in der Luft. Wo künftig rund 45 Autos Platz finden, stehen unter anderem Leitern, eine provisorische Werkbank mit Kreissäge und Ölfässer herum. Die grossflächigen Fenster in den Seitenwänden der Fähre sind mit Folien abgedeckt, die Geländer mit Stoff abgeklebt. Im Passagierraum im Oberdeck hängen Kabel von der Decke und auch die beiden Steuerhäuser warten noch auf ihren Endausbau.

«Ein ganz wichtiger Schritt»

Die Freude über die erfolgreiche Wasserung ist insbesondere bei Martin Zemp, dem Geschäftsführer der Fährgesellschaft, gross. «Das war ein ganz wichtiger Schritt», sagt Zemp.

Nun aber geht es weiter: Im Laufe des Augusts stehen Probefahrten an, an denen die beiden 566 PS starken Dieselmotoren in Betrieb genommen und getestet werden. Auch benötigt die Fähre, die neu das längste Schiff auf dem Zürichsee ist, noch die Bewilligung des Bundesamts für Verkehr. Am Freitag, 22. September, wird die 10 Millionen Franken teure Fähre getauft. Tagsdarauf wird die Bevölkerung das neue Flaggschiff besichtigen können und am Sonntag, 24. September, wird die neue «Meilen» die alte «Meilen» ablösen. Dann nämlich wird sie den regulären Betrieb zwischen den beiden Seeufern aufnehmen.

Darauf freut sich Meilens Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP), der als Verwaltungsratsmitglied an der Wasserung dabei ist, bereits jetzt und sagt lachend: «Dass das grösste und schönste Schiff des Zürichsees Meilen heisst, macht natürlich besonders stolz.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.08.2017, 16:02 Uhr

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