Zürichsee

Im Stil der 50er-Jahre zurück auf Kurs

Das MS Linth wurde diesen Winter total saniert. Böden, Kabel und Lampen mussten ersetzt werden. Trotz Erneuerung wird das Schiff seinen Charme aus früheren Zeiten beibehalten.

Die MS Linth wird derzeit in der Werft in Wollishofen saniert. Die ZSZ hat der «alten Dame» einen Besuch abgestattet.
Video: Fabian Röthlisberger

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Die warme Märzsonne spiegelt sich im Wasser an der Werft in Zürich-Wollishofen. Die goldenen Schriftzüge, die den Namen der Kursschiffe verkünden, blitzen im hellen Sonnenlicht auf. Die Schiffe sind blitzblank geputzt und bereit, nach der Winterpause wieder in See zu stechen.

Nur ein Schiff fehlt. Das MS Linth wird während insgesamt 12 500 Arbeitsstunden saniert. «Diese Sanierung war dringend nötig», sagt Hanspeter Sigg, Leiter für Technik der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Wegen undichter Stellen habe es regelmässig durch die Decke getropft. Das Holz der Inneneinrichtung begann zu faulen. Daher wurden nun alle Bodenbleche ersetzt und zusätzlich mit Kunststoff überzogen, um mit Sicherheit jede undichte Stelle zu beseitigen. Es blieb jedoch nicht bei ein paar ausgetauschten Metallplatten. Denn das 261 Tonnen schwere Schiff erhielt diesen Winter eine Generalüberholung und wurde teilweise bis auf den Stahl ausgehöhlt. Holzverkleidungen, Böden, Decken und Leitungsrohre wurden ersetzt. Beauftragt mit diesem Monsterprojekt wurde der Architekt Kurt Steiner, welcher bereits drei andere Schiffe der ZSG auf Vordermann brachte.

Topmoderne Küche

Geblendet von der strahlenden Sonne tritt man ein in die Werft, wo das MS Linth derzeit umgebaut wird. Grösser könnte der Kontrast zu den blitzblank geputzten Schiffen draussen am Steg nicht sein. In der staubigen Halle liegen Werkzeuge und lose Holzplanken herum. Es riecht nach frischer Farbe. Überall wird gebohrt, gesägt und gehämmert. Auf einer wackeligen Metalltreppe geht es am Bug des 54 Meter langen Schiffes entlang hoch in die Schiffsküche. Hier wurde vom Kühlraum über die Spülmaschine bis zu den beiden Speiseliften alles erneuert, die Küche auf modernsten Stand gebracht. «Sogar einen Induktionsherd gibt es nun», sagt Sigg.

«Wegen Wind und Wetter ist hier alles etwas krumm.»Hanspeter Sigg, Leiter Technik

Im Raum nebenan wird gerade der neue Boden verlegt. Rot getäfert, getreu dem Stil der 50er-Jahre. Der ZSG, die den 2,9 Millionen teuren Umbau selber leitet, sei es wichtig gewesen, trotz der Rundumerneuerung den ursprünglichen Stil des 1952 gebauten Schiffes beizubehalten. Beispielsweise sind die Ringleuchten an der Decke an die Originale aus den 50ern angelehnt. Nur die herkömmlichen Glühbirnen werden durch LED-Lampen ersetzt.

Jedes Stück massgefertigt

Über die enge Treppe geht es nach oben aufs Sonnendeck. Hier ist der Holzboden bereits fertig verlegt und muss nur noch abgeschliffen werden. Um ihn vor Schaden während des Umbaus zu schützen, ist er mit einer Schutzfolie abgedeckt. Bereits 1952 bestand hier ein Holzboden, dieser wurde jedoch bei Umbauarbeiten durch einen Kunststoffboden ersetzt. «Umso mehr freut es mich, dass der Boden nun wieder wie in früheren Zeiten aus Holz ist», sagt Sigg.

Die Platten des Holzbodens sind, wie jedes Stück an diesem Schiff, einzigartig. «Wegen Wind und Witterung ist hier alles etwas schief und krumm», erklärt Sigg. Jeder Fensterrahmen und jedes Metallblech habe daher eine andere Form. Damit am Schluss alles exakt zusammenpasst, musste jedes Stück millimetergenau angefertigt werden, ein enormer Aufwand. Die lange Zeit im Wasser hat auch am Rumpf Spuren hinterlassen. Der Rost hat sich ins Metall gefressen. Daher wurden zur Verstärkung einige Stahlbleche angeschweisst.

850 Schwimmwesten

Auch die immer strenger werdenden Sicherheitsvorkehrungen machten den Umbau zu einem schwierigen Unterfangen. Einen geeigneten Ort für die 850 Sicherheitswesten zu finden sei nicht leicht gewesen. Auf dem obersten Deck wurde daher ein zusätzlicher Schrank eingebaut, wo ein Teil der Westen nun vorschriftsgemäss verstaut werden kann.

Verläuft der Umbau weiterhin plangemäss, sollte das MS Linth am 1. Juni in See stechen können. «Wir sind mit den Arbeiten auf Kurs und zuversichtlich, dass alles klappen wird», sagt Sigg. Trotz des vorläufigen Ausfalls des Schiffes, müsse die ZSG nicht mit Einbussen rechnen, denn: «Das MS Linth wird vor allem für spezielle Ausflüge wie beispielsweise die Sonnenuntergangsfahrten verwendet.» Bis das Schiff wieder seetauglich ist, könne die ZSG für diese Fahrten problemlos auf andere Schiffe ausweichen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.03.2016, 18:37 Uhr

DS Stadt Rapperswil startet mit Verspätung

Schifffahrtssaison startet am Karfreitag.

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