Zürichsee

«Der Schiffszuschlag ist ein unausgereifter Schnellschuss»

Den Schiffszuschlag von 5 Franken bekämpft Küsnacht am vehementesten. Das war schon so vor fünf Monaten im Vernehmlassungsverfahren und gilt noch heute. Dies wird aus einem Interview mit Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) deutlich.

Für Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) ist der pauschale Schiffszuschlag der verkehrte Weg zur besseren Kostendeckung der ZSG.

Für Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) ist der pauschale Schiffszuschlag der verkehrte Weg zur besseren Kostendeckung der ZSG. Bild: Moritz Hager

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Seit fünf Monaten ist der Schiffszuschlag ein Politikum. Hat sich die Meinung von Küsnacht seither geändert?
Markus Ernst: Nein, die Ausgangslage ist unverändert. Unsere Vorschläge mit drei Zuschlagszonen im unteren, mittleren und oberen Zürichsee, von denen die Querkurse ausgenommen sind, finden wir nach wie vor durchdachter als den vom Zürcher Verkehrsverbund und vom Regierungsrat vorgesehenen 5-Franken-Zuschlag.

Unterdessen hat der Regierungsrat ein dringliches Postulat abgelehnt. Auch dieses sieht Seezonen vor. Sind Sie enttäuscht?
Ich bin nicht enttäuscht. Ich freute mich zwar über das Postulat, weil es den Zuschlag zum Thema im Kantonsrat macht. Aber unser Vorschlag mit drei einzelnen Zuschlagszonen war besser als die im Postulat vorgesehene durchgehende Seezone. Drei Zuschlagszonen hätten den touristischen Mehrwert mit der grossen Rundfahrt besser erfasst. Eine Seezone würde diese beispielsweise nicht betreffen, weil die grosse Rundfahrt sowieso bereits die Höchstzahl der ZVV-Zonen überschreitet und damit ein Billett für alle Zonen gelöst werden muss.

Also doch enttäuscht?
Enttäuscht bin ich, weil der Regierungsrat in seiner Antwort Unrichtiges und Unlogisches auflistet. Zum Beispiel erwähnte er notwendige Ein- und Ausstiegskontrollen. Bekanntlich gilt im ZVV das Prinzip der Stichprobenkontrolle. Es leuchtet mir nicht ein, weshalb dann bei den Querfahrten Ein- und Ausstiegskontrollen notwendig sein sollten. Ausserdem erwähnt der Regierungsrat mit keinem Wort, dass die Querkurse den Strassenverkehr, aber auch die ÖV-Knoten Stadelhofen und Zürich HB entlasten. Also sollte man die Querkurse möglichst attraktiv gestalten. Mir fällt auch auf, dass der Regierungsrat versucht, die Gemeinden am See auseinanderzudividieren.

Wie meinen Sie das?
Der Regierungsrat schreibt, dass kaum drei Gemeinden dieselben Meinungen vertreten und der ZVV folglich nicht alle Wünsche berücksichtigen könne. Das ist ja auch kein Wunder, wenn man den Gemeinden im Vernehmlassungsverfahren so wenig Zeit lässt und dieses auch nicht vorgängig ankündigt. Wir konnten unsere Stellungnahmen in der kurzen Frist gar nicht mehr ko­ordinieren. Immerhin hat derBezirk Meilen im Rahmen der Gemeindepräsidentenkonferenz zusätzlich eine Stellungnahme abgegeben, die der Variante von Küsnacht entspricht. Daher ist dieses Argument des Regierungsrats schlichtweg falsch.

War die Küsnachter Stellungnahme im Vernehmlassungsverfahren vom Frühling für die Katz?
Das ist ein Grundsatzdilemma: Der Kanton brütet lange etwas Neues aus, dann schickt er einen Vorschlag in die Vernehmlassung und gibt den Gemeinden eine kurze Antwortfrist. Wir, die nahe am Geschehen und an den Auswirkungen des Vorschlags sind, investieren dennoch viel Zeit und entwickeln Ideen. Diese werden dann mit fadenscheinigen Begründungen nicht berücksichtigt. Wozu macht man dann eine Vernehmlassung, wenn die Gemeinden so wenig angehört und deren Argumente so wenig gewürdigt werden? Die einzige Änderung war die Preisreduktion bei den Zuschlagsabos. Das war immerhin ein Teilerfolg.

Sie sagen, Küsnacht hat nichts gegen eine Erhöhung des Kostendeckungsgrads der ZSG: Wie soll dieses Ziel ohne Zuschlagerreicht werden?
Dass man einen Zuschlag einführt, ist nicht grundsätzlich falsch. Man müsste diesen, wie gesagt, nur differenzierter machen. So trifft es im Verhältnis die Pendler und Vielfahrer, die auch hier Steuern bezahlen, am meisten, die touristischen Angebote am wenigsten. Das ist falsch. Da gibt es gescheitere Lösungen, wie mit den drei Zuschlagszonen ausserhalb der Querfahrten.

Wie viel müsste jede dieser drei Seezonen kosten?
Das müssen andere ausrechnen. 15 Franken Aufpreis für eine grosse Rundfahrt fände ich immer noch im Rahmen, vor allem im Vergleich mit der Schifffahrt auf anderen Schweizer Seen.

Der ZVV argumentiert, dass der Pauschalzuschlag das einfachste Mittel für Mehreinnahmen der ZSG ist. Korrekt?
Dem stimme ich nicht zu. Jetzt werden noch verschiedene Zuschlagsabos verwaltet. Und die Hauptkritik bleibt: Der Pauschalzuschlag ist zwar einfach einzukassieren, aber er ist nicht verursachergerecht. Einfachheit kann nicht das einzige Argument sein – sonst hätte man besser den Status quo beibehalten.

Sie haben im Juni einen Dampfschiffzuschlag vorgeschlagen. Hält Küsnacht daran fest?
Es war ein Vorschlag im Sinne einer weiteren Idee. Für bessere und schönere Angebote wird ja oft extra bezahlt. Dazu könnten Rundfahrten mit den beiden Zürichsee-Dampfschiffen zählen. Diese sind im Betrieb enorm teuer, deren Fahrten werden aber für ein Butterbrot angeboten.

Der Gemeinderat Küsnacht hat am 18. Juli FDP-Regierungsrätin Carmen Walker Späh einen Brief mit Vorschlägen geschrieben: Was hat sie geantwortet?
Im Wesentlichen hat sie die bekannten Punkte wiederholt. Aber was wiederholt wird, ist deshalb nicht überzeugender geworden. Das gilt auch für die vergünstigten Zuschlagsabos. Sie meint, die Wünsche ausreichend erfüllt zu haben, und sieht keinen weiteren Handlungsbedarf. Auf unsere Änderungsvorschläge will man offenbar nicht eingehen.

Im Brief an die Regierungsrätin heisst es am Ende: «Wir tragen gerne dazu bei, zum Beispiel an einem runden Tisch mit allen betroffenen Parteien im Hinblick auf die Fahrplanperiode 2018/19 eine zweckmässigere Lösung zu entwickeln»: Halten Sie den Schiffs-Fünfliber für einen unausgereiften Schnellschuss?
Ja, das ist er. Man hat das Gefühl, man könne schnell und auf einfache Art mehr Geld einnehmen. Aber es ist keine ausgereifte Methode. Offenbar waren weder Regierung noch ZVV offen, im Rahmen der Vernehmlassung offensichtliche Mängel ihrer Vorlage anzuerkennen.

Wie sieht es mit den anderen Seegemeinden aus?
Gesamthaft betrachtet, ist der Schiffszuschlag kein Hauptthema des Kantons. Er betrifft wenige Menschen und de facto wenige Gemeinden. Immerhin vertreten alle Gemeinden in unserem Bezirk die geschilderte Variante und ich denke, dass man die linksufrigen Gemeinden auch von deren Vorteilen überzeugen könnte.

Fühlen Sie sich alleine gelassen?
Das würde ich nicht sagen. Wir haben uns einfach dieses Themas angenommen, weil viele Einwohner in Küsnacht betroffen sind und weil viele Schüler wegen unserer Kantonsschule das Querschiff benützen. Daher haben wir den Lead in dieser Frage eingenommen. Wir fühlen uns aber nicht als einsame Rufer in der Wüste. Immerhin haben sich die Gemeindepräsidenten im Bezirk Meilen der Meinung von Küsnacht angeschlossen. Die lautet: lieber keinen Zuschlag, aber wenn, dann einen schlauen.

Welche Mittel hat Küsnacht noch, um den Schiffszuschlag abzuwenden?
Wenn der ZVV aus Prinzip nicht umdenken will, muss man sich wieder anderen Themen widmen. Das ist Politik. Ich bedauere aber, dass unsere Stimme nicht gehört wurde, weil es eine Stärke unseres politischen Systems wäre, nahe an der Bevölkerung zu sein und deren Bedürfnisse zu erhören.

Was ist am 24. Oktober im Kantonsrat möglich?
Ich glaube nicht an das Wunder. Offensichtlich will man nichts mehr ändern. Die Meinung scheint gemacht.

Nehmen Sie die Kantonsräte vom See in die Pflicht?
Das kann und will ich nicht. Ich möchte bloss, dass sie zur Kenntnis nehmen, dass die jetzige Lösung mit Schiffszuschlag keine kluge ist. Ich hoffe, sie plädieren für eine Variante, die den Bedürfnissen der Bevölkerung entgegenkommt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.10.2016, 15:54 Uhr

Schiffszuschlag

Kantonsrat urteilt

Für alle Fahrten mit der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) soll ab Fahrplanwechsel Mitte Dezember ein Tageszuschlag von 5 Franken erhoben werden. Dieser Aufpreis ist umstritten, weil er auch die kurzen Querfahrten betrifft und zudem das ZVV-Prinzip «Ein Ticket für alles» verletzt. Generalabonnement und Gemeindeticket sind zuschlagspflichtig. Am Montag debattiert der Zürcher Kantonsrat über den Schiffszuschlag. (di)

Preisvergleich mit anderen Schweizer Seen

Zürichsee auch mit Zuschlag günstig

Eine Schiffsfahrt auf dem Zürichsee von Zürich nach Rapperswil-Jona dauert rund 1¾ Stunden. Sie kostet mit Halbtaxabo für einen Erwachsenen 8.50 Franken. Mit dem geplanten Zuschlag würde sich der Ticketpreis auf 13.50 Franken erhöhen.

Ein Vergleich mit Schiffskursen auf anderen Schweizer Seen zeigt, dass dieser Tarif immer noch günstig ist. So kostet eine knapp zweistündige Fahrt auf dem Vierwaldstättersee von Luzern nach Brunnen 19.50 Franken. Von Biel nach Le Landeron (1½ Stunden) sind 17.50 Franken zu bezahlen. Auch die Schiffsfahrt auf Thuner- und Brienzersee ist teurer. Für die mehr als zweistündige Rundfahrt Thun–Interlaken–Thun sind 36.50 Franken zu berappen, für Brienz–Interlaken–Brienz 25.50 Franken. Allerdings sind auf all diesen Seen Generalabonnement und Gemeindetageskarten ohne Zuschlag gültig. (di)

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