Zürichsee

Gemeinden lehnen Zuschlag für Querkurse kategorisch ab

Der Regierungsrat will für Schiffsbillette am Zürichsee einen Zuschlag von 5 Franken erheben. Das soll auch für Querkurse gelten. Die Gemeinden lehnen diesen Aufpreis kategorisch ab.

Pendlerschiff ohne Tourismusnutzen: Darum soll bei den Querkursen zwischen linkem und rechtem Seeufer auf den Zuschlag verzichtet werden.  Michael Trost

Pendlerschiff ohne Tourismusnutzen: Darum soll bei den Querkursen zwischen linkem und rechtem Seeufer auf den Zuschlag verzichtet werden. Michael Trost Bild: Michael Trost

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Von 3 auf 8 Franken: Um so viel würde sich eine kurze Querfahrt zwischen den Seeufern verteuern, geht es nach dem Regierungsrat. Der macht keine Unterschiede, ob Längs-, Rund- oder Querfahrt. Ab 2017 soll, wer ein Schiff der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) nimmt, 5 Franken Aufpreis zahlen.Der Sondertarif im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ist eine von 125 Massnahmen, wie die Regierung den Kanton um 1,8 Milliarden Franken entlasten will. Das Mitte April präsentierte Programm ist umstritten. Am See lassen vor allem die Gemeinden, die von den Querschiffkursen bedient werden, kein gutes Haar am 5-Franken-Zuschlag.

Die schnellste Verbindung

Küsnacht lehnt den pauschalen Zuschlag für die Querkurse Thalwil–Erlenbach–Küsnacht sowie Richterswil–Wädenswil–Männedorf–Stäfa ab. Das bringt der Gemeinderat mit seiner Stellungnahme im Vernehmlassungsverfahren zum Ausdruck. Statt­dessen schlägt Küsnacht einen differenzierten Schiffszuschlag vor, der zwischen Querfahrten des Pendlerverkehrs und Längs- sowie Rundfahrten des touristischen Verkehrs unterscheidet.

«Die Querschiffe sind für Pendler vorgesehen», sagt Markus Ernst (FDP), Gemeindepräsident von Küsnacht. «Sie sind die einzige Verbundleistung der ZSG.» Diese «Personenfähren» helfen Umwege und Zeit sparen, weil sie die schnellste Verbindung zwischen den Ufern sind. Leidtragende des Zuschlags wäre insbesondere die Kantonsschule Küsnacht. Jeden Tag kommen 150 Schüler und Lehrpersonen vom linken ans rechte Ufer, ein Grossteil davon mit dem Schiff.

Zu wenig Zeit für Absprache

Küsnacht findet sich mit weiteren Massnahmen im ZVV-Tarifplan ab. Eine konzertierte Absprache mit den sechs anderen, ebenfalls von Querschiffkursen bedienten Gemeinden gab es nicht. «Wir hatten nur sechs Wochen Zeit im Vernehmlassungsverfahren», sagt Markus Ernst. Dennoch herrscht bei der Stossrichtung unter den Gemeinden Harmonie. «Verzicht auf den Zuschlag auf die Querkurse», heisst es in der Stellungnahme von Wädenswil, wie die stellvertretende Stadtschreiberin Esther Ramirez mitteilt. Gegen den Zuschlag für touristische Angebote auf dem See sei hingegen wenig einzuwenden – mit einer Ausnahme: Wädenswil kritisiert, dass die Einheit im ZVV – ein Ticket für alle Verkehrsmittel – mit dem Schiffszuschlag gebrochen würde. Thalwil stellt sich gegen den Seezuschlag für Pendler. Hingegen wird laut Auskunft der Kommunikationsverantwortlichen Heidi Egli ein Seezuschlag für andere Tickets und für touristische Angebote begrüsst.

«Erlenbach lehnt den generellen Schiffszuschlag ab», sagt Gemeindeschreiber Hans Wyler. Höchstens für den Ausflugtou­rismus kann sich Erlenbach einen Aufpreis vorstellen. Stäfa hält den Zuschlag auf Querfahrten für «unverhältnismässig». Gemäss Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger ersucht der ­Gemeinderat den ZVV, «diesen Punkt kritisch zu überprüfen».

Zuschlag für Dampfschiffe

Markus Ernst hofft, dass der ZVV die Ablehnung aus den betroffenen Gemeinden nicht unbeachtet lässt. «Wer eine Vernehmlassung macht, wird sich wohl auch für diese Meinungen interessieren.» Und da niemand am See den Zuschlag gutheisst, «hoffe ich auf eine Reaktion», sagt er.

Der Küsnachter bringt eine ­andere Finanzierungsquelle des Schiffsverkehrs ins Spiel: «Warum nicht einen Zuschlag für Dampfschiffe einführen?». Ernst kann sich gut vorstellen, dass der teure Betrieb der beiden Schaufelraddampfer am Zürichsee mit einem 10-Franken-Zusatzticket gestützt werden könnte. «Liebhaber würden für einen Dampfschiffzuschlag sicher zahlen.»

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.06.2016, 22:29 Uhr

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