Zürichsee

Aktionäre kritisieren ZVV für Schiffszuschlag

Schlechtes Wetter, weniger Fahrgäste, ein schwerer Unfall in Küsnacht, ein Dampfschiff ausgefallen: 2016 war kein gutes Jahr für die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft. Am Montag hat es die Generalversammlung abgehakt. Nur den Unmut über den fünffränkigen Schiffszuschlag legte sie nicht ad acta.

Auch wenn die ZSG gar keinen Einfluss auf den Schiffsfünfliber hat, war der Zuschlag am Montag das dominante Thema an der Generalversammlung.

Auch wenn die ZSG gar keinen Einfluss auf den Schiffsfünfliber hat, war der Zuschlag am Montag das dominante Thema an der Generalversammlung. Bild: Moritz Hager

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Das schlechte Wetter kostete im Vorjahr die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) 63'000 Passagiere. 1,664 Millionen Personen bedeuten einen Rückgang von 3,7 Prozent gegenüber 2015. Verwaltungsratspräsident Peter Weber (Rüschlikon) brachte es an der 126. Generalversammlung der ZSG im Zürcher Kongresshaus auf den Punkt: «Der Faktor Sonnenschein beeinflusst unser Geschäft.»

2017 wird nicht die Sonne, sondern ein anderer externer Faktor die ZSG sogar ein Viertel der Fahrgäste kosten: der 5-Franken-Tagesaufpreis für Kursschiffe auf Zürichsee, Obersee und Limmat. Mit einem solchen Rückgang rechnet der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) aufgrund des seit 11. Dezember notwendigen «Schiffsfoifliber». ZSG-Direktor Roman Knecht bestätigte diese Schätzung für 2017 mit bisher rund 0,5 Millionen Passagieren: «Das entspricht ziemlich genau der Berechnung.»

Imageschaden befürchtet

Obwohl weder traktandiert noch beschlussfähig, war der Zuschlag das dominante Thema in der Fragerunde der Generalversammlung. «Nichts als Ärger», «sträflich blöd», «Imageverlust ist grösser als vorgestellt», nannten Votanten den «Schiffsfoif­liber». Er sei ein «unnötiger Eingriff» ins Einheitstarifsystem des ZVV. Erneut wurde kritisiert, dass ein Generalabonnement überall in der Schweiz gelte, aber auf dem Zürichsee müsse ein Aufpreis bezahlt werden.

ZVV-Direktor Franz Kagerbauer erklärte den Zuschlag mit dem Sanierungspaket der Kantonsfinanzen und dem tiefen Kostendeckungsgrad der ZSG. Mit 37 Prozent sei dieser nur halb so hoch wie jener der Verkehrsbetriebe Zürich. Und auch wenn der Zuschlag wie erhofft 3 Millionen Franken Mehreinnahmen einbringe, «bleiben immer noch 9 Millionen Defizit, die der Kanton und die 168 Gemeinden zahlen». Fast entschuldigend sagte Kagerbauer: «Wir haben nichts Gescheiteres gefunden, um den Kostendeckungsgrad zu erhöhen.» Höhnisches Gelächter erntete er mit der Bemerkung, wonach der Schiffszuschlag die Qualität verbessere. «Beim Landesmuseum muss man nicht mehr für ein Limmatboot anstehen.»

Noch kein Unfallbericht

Verwaltungsratspräsident Weber versuchte Dampf aus der Diskussion zu nehmen. Die ZSG sei auch mit dem Zuschlag immer noch viel günstiger als andere Schifffahrtsunternehmen in der Schweiz. «Wir halten den Zuschlag für verhältnismässig», sagte er. Die ZSG wolle mit «sauberer Information» dem Imageverlust entgegentreten. «In ein bis zwei Jahren hat sich das beruhigt.»

Zum Unfall vom 20. April 2016, als die MS Albis in den Küsnachter Schiffssteg fuhr, konnte Weber nichts Neues erzählen. Der Unfallbericht der Untersuchungsstelle liegt noch nicht vor. Das schwerste Unglück des Unternehmens seit dem Krieg forderte zehn verletzte Menschen, darunter drei Schwerverletzte. Die Reparatur an Steg und Schiff kostete 330 000 Franken.

Der Jahresbericht des Verwaltungsratspräsidenten enthielt aber auch positive Nachrichten. Das im Vorjahr wegen Druckverlusts in der Maschine stillgelegte Dampfschiff Stadt Rapperswil läuft nun wieder klaglos. Ausserdem steht mit Manuela Balàzs die erste Schweizer Dampfschiffkapitänin in den Diensten der ZSG.

Im Verwaltungsrat gibt es einen Wechsel. Die Generalversammlung wählte den neuen Stadtrat von Rapperswil-Jona, Kurt Kälin (SVP), für den aus dieser Behörde zurückgetretenen Markus Gisler (FDP). (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.06.2017, 21:44 Uhr

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