Rapperswil-Jona

Denkmalpflege äussert Bedenken zur Schlossvision

Die kantonale Denkmalpflege hat eine baugeschichtliche Abklärung zum Schloss Rapperswil verlangt und behält sich vor, gegen die geplanten Mauerdurchbrüche Einspruch zu erheben. Dann müsste das Büro Steiner Sarnen seine Vision nochmals grundlegend überarbeiten.

Die Denkmalpflege will keine Durchbrüche in mittelalterlichen Mauern – für die Schlossvision des Büros Steiner Sarnen sind sie zentral.

Die Denkmalpflege will keine Durchbrüche in mittelalterlichen Mauern – für die Schlossvision des Büros Steiner Sarnen sind sie zentral. Bild: Reto Schneider

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Das «Scharnier» ist Dreh- und Angelpunkt in der Vision zum Schloss Rapperswil des Sarner Ausstellungsplaners Steiner, mit welcher das Kulturdenkmal für die Rapperswiler wie auch Touristen attraktiver werden soll. Als Zwischentrakt zwischen dem Hauptgebäude und dem Gügelerturm ist das «Scharnier» als Empfangsraum für Besucher gedacht, hat feuerpolizeiliche Bedeutung, ebnet der gastronomischen Nutzung das Terrain und soll verhindern, dass schlossbesichtigende Touristen und Eventteilnehmer im Hof sich in die Quere kommen.

Um die beiden Schlossteile mit dem «Scharnier» baulich miteinander zu verbinden, sieht das ­Büro Steiner Sarnen insgesamt drei Durchbrüche durch die alten Schlossmauern vor. Dass aber die kantonale Denkmalpflege dazu ihren Segen geben wird, ist derzeit mindestens ungewiss.

Alter von Mauern bestimmen

«Das Schloss Rapperswil ist ein wichtiges Baudenkmal. Das bedeutet, dass man nur dann in die historische Bausubstanz eingreift, wenn es nicht stört oder unabdingbar ist», sagt Moritz Flury von der St. Galler Denkmalpflege. Flury räumt ein, dass das im 14. Jahrhundert gebaute Schloss im Laufe der Jahrhunderte einige Umbauten erfahren habe. Falls sich herausstellen sollte, dass die vorgesehenen Durchbrüche Mauern betreffen, die bereits im 19. Jahrhundert verändert wurden, so würde das laut Flury «weniger wehtun» als bei einer effektiv mittelalterlichen Mauer. Auch sei es durchaus vertretbar, dass bestehende Durchbrüche geöffnet würden, wenn diese zu einem früheren Zeitpunkt bereits bestanden hätten.

Nach Angaben der Rap­pers­wiler Ortsgemeinde ist punkto baulicher Entwicklung des Schlosses bislang wenig gesichertes Wissen vorhanden – das meiste beruhe auf Vermutungen. Eine baugeschichtliche Abklärung, die unter anderem das Alter von verwendeten Holzbalken eruiert, soll nun Licht ins Dunkel bringen: Gemäss einer Medienmitteilung der Rapperswiler Ortsgemeinde hat der gemeinsame Projektsteuerungsausschuss von Ortsgemeinde und Stadt mittlerweile dem Winterthurer Bauforschungs­büro Albertin einen entsprechenden Auftrag erteilt.

«Scharnier» nicht vom Tisch

Dass die Frage nach der Zulässigkeit der Mauerdurchbrüche erst jetzt und nicht schon im Laufe der Visionsentwicklung ab Herbst 2013 auftaucht, ist für den Geschäftsführer der Ortsgemeinde, Thomas Homberger, nicht erstaunlich. Dass man erst ab einem bestimmten Konkretisierungsgrad das Gespräch mit der Denkmalpflege gesucht habe, entspreche dem vorgesehenen Ablauf: «Die Denkmalpflege hat gefordert, dass wir ein konkretes Projekt zur Begutachtung vorlegen.»

Denkmalpfleger Flury sieht beim hinzugebauten «Scharnier»-Trakt kein grundsätzliches Pro­blem. Ein hinzugestelltes Gebäude könne schliesslich auch wieder abgebrochen werden, falls es aus Sicht einer zukünftigen Generation störe. Was die Durchbrüche betreffe, so sei nicht ausgeschlossen, dass solche an den gefragten Stellen bereits einmal existiert hätten. Andernfalls wäre aus seiner Sicht auch sonst ein «Scharnier»-Bau möglich, der die für den Wehrgang bereits existierenden Verbindungen zwischen den beiden Schlossteilen benützt.

Laut Flury sehen dies die Verantwortlichen vom Büro Steiner Sarnen allerdings anders: Für sie seien die zusätzlichen Durchbrüche zentral. Ferienbedingt war für die ZSZ gestern niemand von den Visionsautoren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Ortsgemeinde will im Herbst punkto Schlossvision über Machbarkeit, Zeitplan und Kosten informieren. Ein allfälliger weiterer Kredit für eine weitere Überarbeitung der Vision durch das Büro Steiner könnte den beiden Bürgerschaften im Dezember unterbreitet werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.08.2015, 07:56 Uhr

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